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Detailhandel Schweiz
Spricht man in der Schweiz von Werbung kommt man um die Rangliste der grössten Werbeauftraggeber nicht herum. Seit Jahren führen bekanntlich immer wieder die gleichen zwei Players dieses Ranking an: Migros und Coop. Kein Wunder, denn kaum ein Bedürfnis ist grundlegender als die Nahrungsbeschaffung. Das Protzen um den grössten Etat bringt zwar Mediaagenturen ins Schwärmen, ist aber für die Konsumenten irrelevant. Denn die wollen eben ihre Bedürfnisse so günstig wie möglich befriedigen. Oder nicht?
Mag sein, dass das mal so war. Aber spätestens seit dem Aufkommen der Social Media haben sich die Erwartungen verändert. Der Konsument will nicht nur schnell und günstig einkaufen, nein, er kann sich nun seine eigene Meinung bilden und will sogar mitreden. Das Cluetrain Manifesto erkannte 1999: „Schon jetzt erreichen Unternehmen, die mit der Stimme des Marktschreiers reden, niemanden mehr. Wer annimmt, die Online-Märkte seien dieselben Märkte, die einst die TV-Spots im Fernsehen erduldet haben, macht sich etwas vor.“ Die Frage ist, ob sich dadurch das Verhalten des Schweizer Detailhandels verändert hat.

Ein Player, die Migros, ist in diesem Bereich besonders aktiv. Immer wieder zeigt der orange Riese Ideenreichtum wenn es um Social Media geht. Zentrum der Aktivitäten der Migros ist die berühmt-berüchtigte Plattform www.migipedia.ch, auf der seit Juni 2010 Kunden zu gut 10‘000 Produkten ihre Meinung sagen, Wünsche äussern oder Fragen stellen können. Die Website ist zwar noch in der Beta-Version, wurde aber 2011 bereits als beste Schweizer Webseite (Best of Swiss Web) ausgezeichnet. Migipedia ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn Duttis Erben sind auf praktisch allen Social Media (mit der Dachmarke, sowie mit den Subbrands) fleissig unterwegs. Sei dieswww.facebook.com/Migros, www.twitter.com/migros oderwww.youtube.com/user/MigrosTVSpots. Und die Migros wird für dieses Engagement reichlich belohnt. Mit 52'000 Fans auf Facebook, 2'800 Followers auf Twitter und 870'000 Views auf YouTube.
Dies sind aber nur die oberflächlichen Zahlen. Viel wertvoller ist der Dialog, der dadurch entsteht. Und der fruchtet. Weil man den Kunden die Möglichkeit gibt, mitzureden und mitzugestalten. Zum Beispiel vor sechs Monaten, als nach einer Idee für eine neue, junge Konfi-Sorte gesucht wurde. Insgesamt 1102 Ideen gingen ein. Die 20 besten Rezepte wurden schliesslich gekocht und bei einer professionellen Degustation zusammen mit Vertretern der Migros-Community getestet. Über 4300 Migros-Kunden gaben bei der finalen Umfrage auf Migipedia ihre Stimme ab. Und jetzt stehen die beiden Produkte, kennzeichnet mit dem neuen Sticker «Von Kunden entwickelt», in den Regalen. User Generated Products.

Dass die Migros gut unterwegs ist weiss man ja mittlerweile. So weit, so gut. Aber was machen die anderen Mitbewerber? Die Antwort ist einfach: Nix. Nada. Zero. Traurig aber wahr. Gerade die Branche, die direkten Kontakt mit dem Konsument pflegen sollte, dessen Erfolg und Misserfolg der Gradmesser für unsere Wirtschaft ist, ignoriert den Kunden, wenn es um Social Media geht.
Denner hat zwar vom populären Bündnerfleisch-Lachanfall von Bundesrat Merz profitiert und, dank einer Nacht-und-Nebel-Aktion, kurzfristig Facebook-Fans generiert. Was mit den knapp 29'000 Fans gemacht wird, ist aber bis heute unklar. Alle anderen Detailhändler befinden sich aber noch im dunkelsten Mittelalter. Egal ob sie Lidl, Aldi, Spar oder Coop heissen. Gerade Migros grosser Gegenspieler Coop ist nicht nur einen, sondern mehrere Schritte zurück. Zwar wird der User aufgefordert, die Inhalte der Website zu teilen, aber von einem Dialog ist weit und breit keine Spur. In keinem Netzwerk. Sogar der Kundendienst ist (Montag bis Freitag von 9.00 bis 18.30 Uhr) schlechter erreichbar als der Twitter Account des Mitbewerbers.
In meinem Kurs Social Media Management an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich sage ich immer, dass es ein No-Go sei, wenn man sich über jemanden lustig macht, der seine Erfahrungen im Social Web sammelt. Was wir hier aber erleben ist die Negierung des Dialogs. Dafür habe ich kein Verständnis. Da erscheint einem die Tag-Cloud auf der Startseite ein plumper Marketinggag. Schade eigentlich, denn indem die Schweizer Detailhändler Bedürfnisse und Wünsche der Kunden ignorieren, verpassen sie Chancen, ihre Produkte zu verbessern und sie verlieren wertvolle Zeit, um Erfahrungen zu sammeln. Und obwohl wir einen orangen Leuchtturm haben, gilt für den Schweizer Detailhandel der Prädikat #fail. Denn, „Unternehmen, die nicht zu einer diskursiven Gemeinschaft gehören, werden aussterben“.
(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)
#occupywallstreet
Sie ist da. Nachdem die Social Media Revolution uns den hochgelobten Arabischen Frühling gebracht hat, beschert sie uns jetzt das antikapitalistische Pendant dazu: die „Occupy Wall Street Bewegung“. Ob wir es wollen, oder nicht.
Aufgerufen vom kanadischen Magazin Adbusters.org mit dem Post „Bist Du bereit für den Tahir-Moment“ besetzen seit dem 17. September Demonstranten den Zuccotti Park in Lower Manhattan in New York City. Als Protest gegen die soziale Ungleichheit in den Vereinigten Staaten, als Stimme der 99 Prozent der Bevölkerung, „die nicht länger die Gier und Korruption von 1 Prozent der Bevölkerung hinnehmen wird“. So weit so gut, ich nehme an, dass in NYC täglich dutzende solche Demos stattfinden. Diese Aktion geht aber mittlerweile in den zweiten Monat und wurde inzwischen zum Vorbild für ähnliche Aktionen in zahlreichen Städten der Vereinigten Staaten und weltweit; Zürich, Rom, London oder Berlin sind nur einige der Ableger des Protests. Insgesamt fanden 1‘500 Events in 82 Länder statt. Warum dieser Erfolg?
Der Bewegung wird vorgeworfen, keine “richtige“ Message, kein Manifesto, keine konkrete Ziele zu haben. Meine Frage ist: „Macht dies die Bewegung harmloser oder gefährlicher?“ Was wir gerade erleben ist ein historischer Moment. Denn was wir in Nordafrika begrüsst haben, steht auch uns nun bevor. Ein Protest, der zu einem kulturellen Phänomen wird. Ein friedlicher Protest, der politische Änderungen bewirken soll. Und dies, ohne eine konkrete Zielgruppe ansprechen zu wollen, ausser den ganz normalen „Menschen“. Meine Frage ist: „Gibt es so was wie die Zielgruppe überhaupt noch?“ Schauen Sie mal im Tram, wer alles ein iPhone besitzt. #occupywallstreet spricht genauso Leute unterschiedlichen Alters, Rasse, Lebensstils und politischer Ausrichtung an. Genau wie das iPhone. Genau wie Facebook. Einfach nur „Menschen“.Es geht mir an dieser Stelle nicht um ein Urteil über die Bewegung oder deren Motivationen. In dieser Kolumne geht es schliesslich um Social Media. Und genau davon verstehen diese Leute eine Menge. Denn obwohl sie keine Struktur und Organisation im eigentlichen Sinne haben, nutzen sie die Social Media Möglichkeiten besser als jeder klassische Konzern. Und egal, wie es ausgehen wird: Der Benchmark wurde neu gesetzt.
Ein paar Beispiele. Eine organisch gewachsene Facebook Seite mit über 230'000 Fans und ein Twitter Profil mit über 80'000 Followers sind hier nur der Startpunkt. Denn die Bewegung geht noch weiter und spielt auf der gesamten Klaviatur. Oder besser gesagt, sie nutzt den gesamten Long-Tail der Kommunikation. Sei es mit der kostenlosen App „Vibe“, die den Demonstranten ermöglicht, anonym Mitteilungen zu versenden. Mit dem Content Aggregator Storify (Ton, Text, Bild und Video können einfach gesammelt und wieder geteilt werden), mit dem Eventplanungsttool MeetUp (denn Besetzungen sind ja immer auch ein Event) oder mit dem Tumblr Blog (sehr intuitiv und einfach zum bedienen), der den in ganz Amerika verstreuten 99% eine Stimme gibt.
Und weil man beim besetzen auch was zu lesen haben sollte, lancierten die Organisatoren gleich noch eine eigene Zeitung. Ja, eine richtige Zeitung. Gedruckt. Old School. Einfach anders. Denn finanziert wurde die Zeitung durch die Crowdfunding Plattform Kickstarter.com. Zur Info: Das angepeilte Ziel waren 12'000 USD. Knapp 1700 Unterstützer haben aber mehr als 75'000 USD gespendet. Kennen Sie ein Unternehmen, dass ohne einen CEO so konsequent in den Social Media agiert?
Es geht nicht mehr darum, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden (wie es bei den Massenmedien der Fall ist), sondern es geht darum, dass man mit denen spricht, die auch wirklich interessiert sind. Und dass man ihnen einen Inhalt liefert, der relevant ist. Die Demonstranten haben es verstanden. Und Ihr Unternehmen?

(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)
#stormporn
Als Ende August der Tropensturm Irene an der Ostküste Amerikas erwartet wurde, war das Interesse von Millionen betroffener Menschen riesig. Die Angst vor einer neuen Katrina war gross. Auf Schritt und Tritt konnte man ihren Verlauf auf praktisch jedem TV-Sender und am Internet rund um die Uhr live mitverfolgen.
Besonders aktiv waren dabei die klassischen Medien. Trotzt Syrien- und Libyen-Krise wurde um den Tropensturm ein richtiger Hype aufbauscht. Kaum ein Sender, der seine Reporter nicht in Gummistiefel steckte und in irgendeine überflutete Strasse stellte. Alle Register wurden gezogen.
Blogger @jeffjarvis nannte es #stormporn. Eine neue Form der Aufgeilung der Medien an Naturkatastrophen. Er sagte dazu, dass dieses ständige Wiederholen von immergleichen Floskeln und immergleichen Bildern und diese Panikmacherei ohne Informationsgehalt niemandem dienen würde. Am wenigsten den Bürgern. Selbstverständlich sei ein Sturm eine ernste Sache, aber die Coverage erinnere mehr an „Der Junge, der Wolf schrie“ als an seriösen Journalismus.
Als Gegenpol dazu konnte man den Austausch in den Social Media beobachten. Auch hier wurde getwittert, was das Zeug hielt. Auch hier wurden die Vorbereitungen, die Ankunft, die Durchreise und die Verwüstungen als Foto oder Video fleissig gepostet und geshared (entstanden sind dabei zum Teil spektakuläre Bilder, http://bit.ly/qtGVB0 ist eins meiner Lieblinge). Aber irgendwie war es hier anders. Ehrlicher. Direkter.
Gigaom.com ging sogar so weit zu behaupten, dass Twitter an Stelle von TV als Werkzeug für Information und Hysterie getreten ist. Wobei dies natürlich einige Fragen aufwirft. Als gut empfinde ich zum Beispiel, dass sich die Betroffenen selbst mit Posts integrieren und austauschen konnten. So konnten sich Leute aus der gleichen Gegend online helfen und beraten. Suboptimal ist, dass Posts oft ohne Kontrolle weitergeshared werden und sich Unwahrheiten sehr schnell verbreiten können (wobei hier festzuhalten ist, dass die Schwarmintelligenz und eine durchdachte Informationspolitik der Behörden in diesem Fall Wunder wirken).
Besonders gefallen hat mir in diesem Zusammenhang der offizielle Twitter Account vom NYC-Bürgermeister Bloomberg, der laufend wichtige Informationen zu Irene bekannt gab. Zeiten, an welchen der Sturm in New York erwartet wurde und mit wie vielen Meilen pro Stunde er dann unterwegs sein würde, wurden gepostet. Das @NYCMayorsOffice kündigte auch an, welche Brücken gesperrt wurden, dass die Staten Island Ferry nicht mehr fuhr und dass Schulen und Altersheime geschlossen wurden. Gleichzeitig gab es auch Ratschläge, dass man Nahrungsmittel auf Vorrat kaufen sollte und erstellte eine Liste von Orten, die Obdach für die Evakuierten boten.
Genau das ist die Macht und die Einzigartigkeit der Social Media gegenüber den traditionellen Medien: Die unvermittelte, ehrliche, direkte Berichterstattung, welche Behörden, Bürger, Augenzeugen, Datenerhebern und -nutzern, die Möglichkeit bietet, ohne „Zwischenhändler“ direkt zu kommunizieren.
Die Frage, die Jeff Jarvis stellte „So the question the journalists should ask is how they can add value to that“, ist in Zeiten der Demokratisierung der Information berechtigter denn je. Nicht nur in Krisensituationen sondern auch im Alltag.

(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)
Moto GP vs Formel 1
Wie viele andere Sportarten hat auch der Motorsport die sozialen Netzwerke entdeckt. Vor allem über die beiden beliebtesten Kategorien, Formel 1 und Moto GP, kann man auf Twitter täglich etliche News nachlesen. Ich selbst bin ein grosser Moto GP-Liebhaber, deshalb followe ich einige Rennfahrer und Teams auf ihren Twitter-Accounts. Wie überall im Leben werden auch hier die Möglichkeiten nicht von allen gleichermassen ausgeschöpft.
Dass Fernando Alonso mit seinen 30 Jahren zu alt ist für Twitter, kann man ja noch verstehen, aber von einem Generation Y Mitglied wie Sebastian Vettel würde man bieberische Followerzahlen erwarten. Weit gefehlt. Sein digitales Verhalten ist das eines DDR Beamten.
Von den Top-Fahrern sind gerade mal Hamilton @LewisHamilton und Button @JensonButton (erster Preis für das beste Profilbild) im Rennauto mit dem blauen Vogel unterwegs. Angeführt wird die Rangliste der „most influential“ Drivers von - man würde es nie erraten - Rubens Barrichello @rubarrichello. Mit 1.1 Mio Followers und 11'000 Tweets schon fast ein Superstar. Immerhin auf Twitter. Böse Zungen würden jetzt sagen, dass er (bei seinen häufigen Ausfällen) schliesslich auch die nötige Zeit dafür hat.

Bei den Teams ist es dafür so wie im richtigen Leben. Mit 129'000 Followers ist Ferrari @InsideFerrari eine Klasse für sich.
Dass Legenden kaum Zeit für Twitter haben, beweist auch die komplette Abwesenheit der Herren Schumacher (dafür gibt es eine Fanpage @F1_Schumacher, die ihn „Ex-Formula 1 driver“ nennt - Social Media hinkt offenbar noch immer der Realität nach) und Rossi. Kumulierte 16 Weltmeistertitel und keinen einzigen Tweet. Vielleicht gerade deswegen...
Dafür ist in der Moto GP Alex Briggs @Alex__Briggs, einer von Rossi’s Mechaniker, auf Platz 5 der „most influential“. Er teilt auch viele der Insider-News mit. Eine Art digitaler Biograf. Und natürlich, das neue grosse Talent, Jorge Lorenzo (87er Jahrgang). Mit 230'000 Followers ist er die Zukunft, auf und neben der Rennstrecke. Er ist übrigens einer der wenigen (gilt auch für Firmen), der es verstanden hat, dass Social Medias vernetzt sind. Auf seiner Twitter Seite steht „follow me!“. Mit den Links zu Facebook, YouTube und Flickr. Bravo!

Sicher, man könnte argumentieren, dass die Herren besser ihrem Job nachgehen sollten, als online über verspätete Flüge oder Sommerbeschäftigungen zu informieren. Dann würden sie aber ein ganz wichtiges Element ihres Markenwerts vernachlässigen: die Nähe zu den Fans.
Wenn man die sozialen Medien als Motorsport-Fan zu nutzen weiss, hat man das Gefühl, den Piloten viel näher zu sein, da man an ihrem Tagesablauf teilhaben und sie persönlich kontaktieren kann, ihnen sagen kann, was man von ihnen hält, manchmal kann man sogar mitdiskutieren. Dass dem so ist, sieht man gut an den ReTweets und Antworten der Piloten. Immer mehr entsteht somit der hoch gelobte Dialog. Dank den Social Medias gehen einem Fan die Infos zu ihren Leidenschaften nie aus, auch nicht während der Winterpause. Es wird nie langweilig.
Ich glaube, dass dies bloss der Anfang ist. Sowohl Fahrer als auch Teams und andere Players werden in Zukunft nicht mehr um eine professionelle Nutzung dieser Tools kommen. Die Fahrer werden noch direkter ihre Meinungen Preis geben können und somit den Filter der Medien umgehen. Die Teams werden ihre Side-Aktivitäten verlagern und Social Media sowohl für Branding als auch für Merchandising nutzen. Last but not least werden die Rennstrecken mit foursquare Check-ins und weitere Integrationen vor Ort und online dafür sorgen, dass der Besucher die 360 Grad Experience 365 Tage im Jahr haben kann.

(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)
Züri 2.0
Social Media ist in der öffentlichen Verwaltung angekommen. Anfang 2011 startete der Kanton Zürich eine einjährige E-Government Pilotphase: Der Kanton auf Facebook und Twitter.
Der Kanton erhofft sich, durch diese beiden Auftritte einen besseren Zugang zur Bevölkerung zu erlangen – auf einer Ebene, auf der die Bürger sich bereits rege austauschen. Auf diese Weise will man uns Bürger schnell und einfach erreichen, da viele von uns sich ein Leben ohne die sozialen Netzwerke gar nicht mehr vorstellen können und sie mehrmals täglich besuchen. Ich bin da bestimmt nicht der Einzige.
Vor allem um auf Veranstaltungen hinzuweisen, wurde mit Facebook und Twitter eine Erleichterung geschaffen. Medienkonferenzen werden online live geschaltet. Medienmitteilungen werden online gestellt. Abstimmungen werden angekündigt und erklärt, auch die dazugehörigen Unterlagen kann man online finden. Regierungsratsbeschlüsse werden bekanntgegeben, sodass man darüber stolpert, auch wenn man sich sonst kaum dafür interessieren würde. Anfragen oder Anregungen können einfacher eingebracht werden. Die spannendste Idee in diesem Projekt ist aber, dass die Social Media Tools auch in komplexere Situationen eingesetzt werden, wie zum Beispiel bei Krisen oder Notfällen, bei denen man die Geschwindigkeit und Aktualität als Stärke nutzen kann. Wichtig ist, dass der Kanton in diesem Fall eine durchdachte Strategie hat.

Zürich will als zukunftsoffener und moderner Kanton auftreten und sich attraktiv für Tourismus und Wirtschaft präsentieren. Deshalb - und auch für die multikulturelle Bevölkerung - kann man zwischen den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch wählen. In dieser Pilotphase soll sich herausstellen, ob die Netzwerke genutzt werden und so ob es sich lohnt, auf diesen Ebenen weiter zu arbeiten oder sie gar auszubauen.
Nun, nur schon, dass ein derartiger Pilot gestartet wurde, finde ich lobenswert. Wie man den Auftritt noch webbiger machen könnte? In dem man den beiden Accounts ein Gesicht gibt. Wie man es zum Beispiel in New York macht. The Big Apple hat nämlich seine eigene Social Media Managerin, eine hübsche siebenundzwanzigjährige namens @RachelSterne. Sie ist wird vom Bürgermeister mit dem Ziel eingesetzt, die Regierung userfreundlicher zu gestalten, d.h. die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bevölkerung zu verbessern. Miss Sterne arbeitet eng mit den verschiedenen Bereichen der Verwaltung zusammen und will - ihren eigenen Worten zufolge - die tollste Stadt der Welt zur online innovativsten Stadt machen, durch mobile Technologien, welche die Qualität der Dienste verbessern und den Bürgern helfen.

Deshalb liebe Zürcher, followen, twittern und posten Sie mit, damit wir diese Chance wahrnehmen können! Denn was für NYC gilt, gilt auch für uns. Und das meine ich jetzt keineswegs ironisch. Die online Demokratisierung als Unterstützung für die offline Demokratie.

(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)
Social Royal Wedding
Kate Middleton ist so was wie eine Diana 2.0. So jedenfalls fand kürzlich @mikeschwede, und diesen Eindruck hatte tatsächlich, wer den Buzz um ihre Hochzeit mit Prinz William mitverfolgte. Kaum war die Hochzeit vorbei, veröffentlichten verschiedene Quellen einige sehr interessante Zahlen zur Nutzung von Social Media während der Hochzeit. Ich habe sie mir etwas genauer angeschaut.
YouTube war das Zentrum der royalen Online-Aktivitäten, mit einem eigenen „The Royal Channel“. Auf der extra für die Hochzeit eingerichteten Seite fühlte ich mich so up-to-date, als wäre ich selbst in einer vergoldeten Kutsche hinter dem Brautpaar unterwegs. Ich konnte nicht nur die ganze Zeremonie mitverfolgen, sondern auch die Route abrufen, welche die royalen Autos und Kutschen bis hin zur Westminster Abbey zurücklegten, wo die restlichen Gäste und das feiernde Volk (2,274 Leute haben auf foursquare eingecheckt) auf ihre Monarchen in spe warteten. Auch konnte ich mich im ‚Social Media Gratulationen Buch’ verewigen. Indem ich eine selbstaufgenomme Videomessage uploadete. Gemäss Techcrunch wurde das Royal Wedding bis heute über 100 Millionen mal angeschaut.
Auf Facebook wurden von britischen Usern (während der Hochzeit selbst) pro Sekunde 47 Updates abgegeben. 684,399 Status-Updates insgesamt. 1.77 Millionen Mal wurde innerhalb der letzten vier Wochen vor der Hochzeit auf Facebook das Wort „Royal Wedding“ erwähnt. Dazu kommen die 1.8 Millionen Posts aus den USA.
Twitter erlebte aber den grössten Buzz zum Thema. 2.1 Millionen Mal wurde während der Hochzeitswoche über den Event gezwitschert. Es gab eigens einen Twitter-Chat, indem die Zuschauer live mit anderen ihre Meinungen und Eindrücke austauschen konnten. 3.5 Millionen Tweets sind seit Bekanntgabe der Verlobung durch das Social Media Portal gewandert.
Beeindruckend. Oder...? Als ich aber die diese Zahlen mit den geschätzten 2 Milliarden Menschen, die den Anlass am TV gesehen haben sollen, verglich, dachte ich: „Oppla... Gar nicht mal so viel.“ Oder doch?
Nun: Während man TV einfach konsumieren kann, muss man bei Social Media selber aktiv werden. Zumindest beim posten. Zwei weitere Gründe sprechen aber noch dafür, dass #royalwedding trotzdem der Beginn einer neuer Ära einläutet. Nicht nur für das Haus Windsor.
Erstens: Die Konvergenz zwischen klassischen und sozialen Medien. Alle grossen TV-Sender der Welt haben Social Media und TV verbunden, um ihren Zuschauern eben diesen gegenseitigen Dialog zu ermöglichen. Mit Facebook-Fragen zu „who is the best dressed?“ oder mit einem Facebook Chat-Stream. ITN ist sogar weiter gegangen und hat seine Live-Übertragung auf der Facebook-Seite integriert. Sie erreichte 3.5 Millionen Streams. Daraus ergibt sich der zweite Grund: Die soziale Komponente. Bei kaum einem Anlass wird drum herum soviel diskutiert, wie bei einer Hochzeit und das geht Hand in Hand mit meiner These, Social Media sei „People talking with people about things they care“. Kein Wunder dominiert das Thema „Hochzeitskleid“ mit 72.9% den Social Buzz.
Fazit: Die englische Prinzenhochzeit wird als erster grosser „Two-Screen“-Event in die Mediengeschichte eingehen. Und die Art und Weise, wie Events medial auseinandergesetzt werden, erreicht neue – sprich partizipative – Dimensionen.
(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)
Pensionskassen 2.0
Was mich an der ganzen Social-Media-Idee so fasziniert, ist, dass man durch sie auch schwierigere Themen interessant rüberbringen kann. Ein gutes Beispiel ist dafür das Thema Pensionskasse. Bis zehn Jahre vor unserem Rentenalter beschäftigen sich die meisten von uns mit der Pensionskasse nur so weit, dass wir Geld einzahlen, um uns später einmal ein einigermassen angenehmes Leben leisten zu können. Denkt man jedoch erst mit 55 an das Rentenalter und dessen Unterhalt, kann es finanziell knapp werden. Das Thema besitzt also definitiv Relevanz. Ist aber für viele (verständlicherweise) irgendwie unsexy. Wie macht man sowas zugänglich? Wie spricht man die Generation „Digital Natives“ an?
Durch meinem Auftritt am Podium des SKO LeaderCircle, bin ich auf eine Internetseite gestossen, die es schaffen könnte, auch jungen Leuten schmackhaft zu machen, mal über die Zukunft als „Oldie but Goldie“ nachzudenken. Die Seite heisst http://www.mit-uns-fuer-uns.ch/blog und gibt wichtige Inputs auf eine spannende, kommunikative Art.
Die Seite ist als Wordpress Blog aufgebaut. Da findet man Briefe (und Anfragen) von angehenden Rentnern (sind war das nicht alle?), die wissen wollen, wie es mit ihren Boni aussehen würde, wenn sie trotz Rentenalters weiterarbeiten würden. Und gleich darunter die Antwort eines Zuständigen, der dem Pensionär seine Möglichkeiten darlegt. Die Posts sind knapp und werden so bestimmt auch gelesen. Die Tabs und die Kategorien machen die Suche einfacher und schaffen Ordnung.
Nebst dem (mittlerweile obligaten) „Like Button“ verfügt die Seite (welche übrigens in einem beruhigenden und frischen Grün gehalten wird) über Facebook, YouTube und Twitter Links. Ich habe mir (natürlich) diese Präsenzen mal angeschaut. Hier ein paar Gedanken.
Facebook wirkt eher pro-forma. Nur ca. 42 Fans sind da zu finden. Und die Posts sind da eher wiederverwendete Tweets. Ein paar Bilder und etwas mehr Dialog würden hier sicherlich nicht schaden. Twitter hingegen wird (wenn auch nicht täglich) bewirtschaftet. Das zahlt sich aus. 206 Followers und 7 Listungen. Vergessen wir nicht, dass es sich um Pensionskassen handelt und nicht um Konsumgüter.
Was ich aber hervorragend finde ist der YouTube Channel. Das Sharen des ECO Beitrags mag Pflicht sein. Der lässige „Die 2. Säule in Kürze“-Video ist es nicht. Richtig webbig und 2.0-like erklärt er in 2.21 Minuten, was die Pensionskasse ist. Ein Must-See.
Fazit: Die Seite spricht mich an, weil es ihr gelingt, das Thema zu einem Interessensmittelpunkt zu machen, weil sie mich (spielerisch) im Dialog dazu auffordert, mir ernsthafte Gedanken darüber zu machen und weil sie mir den Zugang zum Thema auf eine mir bekannte Art erlaubt.
(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)
Swisscom @ Social Media
Ich mag es, wenn ich auf einer Website schnell finde, was mich interessiert. Besonders, wenn es um Social Networks geht. Da bin ich bestimmt nicht der Einzige, sonst wären Facebook, Twitter, YouTube und Co. nicht dermassen populär. Diese Plattformen sind der beste Weg mit Kunden einen Dialog zu führen, da sie von auf der ganzen Welt jederzeit gleich zugänglich sind und sich Informationen rasch verbreiten lassen.
Nun gibt es Unternehmen, welche den Dialog mit ihren Stakeholders noch nicht so suchen wie sie könnten. Mag auch ok sein. Time will tell. Wenn aber eine Firma folgende Versprechen von sich gibt wie „ Wir verbinden Menschen“ und „Wir bereichern und vereinfachen das Leben unserer Kunden“ überrascht es mich dann doch, wenn ich mich regelrecht durchkämpfen muss, bis ich einen Social Link gefunden habe.
So geht es mir auf der Seite der Swisscom, dem wohl bekanntesten Telekomkonzern unseres Landes. Mobile- & Internetanbieter. Bis man Buttons zu den Social Networks findet, über die man sich mit Swisscom unterhalten könnte sind, je nachdem was man zuerst versucht, ca. 4 Klicks nötig. Tut man dies nicht, was wahrscheinlich eher der Fall ist, kann man sich auf dieser relativ unpersönlichen Homepage schnell verlieren und es besteht die Gefahr, dass man aufgibt, bevor man zum Ziel vorgestossen ist.
Anyway. Finde ich die Seite und clicke auf den Icon, werde ich endlich weitergeleitet. Wohin? Zur offiziellen Twitter Seite @swisscomnews. Davon (offizielle Seiten) gibt es aber (wenn man auf Twitter direkt sucht) ca. neun. In allen drei Landessprachen und natürlich für jeden Bereich der Telekommunikation. Wieso wollen mir immer alle alles aus einer Hand verkaufen, wenn sie separat mit mir reden? Die offizielle Seite spricht übrigens English. Zu mir. Nicht mit mir, denn sie blabblert einfach Medienmitteilungen nach. Von Dialog keine Spur.
Sucht man weiter (auf Twitter) findet man, immerhin, auf @Swisscom_Care so was wie ein persönlicher Kundenservice. „Hilfe einfach und unkompliziert“ heisst es, aber auch nur „Mo-Fr, (8-17h)“. Genau dann, wenn man es braucht. Fairerweise muss man sagen, dass TizianaD^TD, NunoP^NP, SteveD^SD und DennisA^DA relativ schnell antworten und versuchen kompetent Auskunft zu geben. Ich fände es grossartig, wenn man 24/7 von diesem Service profitieren könnte.
Eine letzte Bemerkung betrifft das malträtierte CI auf den Social Networks. @Swisscom_Care, @swisscom_de, @swisscomnews, @swisscomlabs, @swisscom_fr, @swisscom_it, @JRZ_Swisscom, @swisscom, @swisscomITS, @SwisscomDiv sind die Namen auf Twitter. swisscom, Swisscom, Swisscom Labs, Swisscom TV die auf Facebook. Vielleicht wäre es sinnvoll sich am Anfang, auf eine Klein-, Grossschreibung zu einigen. Und auf eine einfache verständliche Namensgebung.
Aus diesen, und weiteren, aus Platzgründen nicht aufgeführten Beispielen, ist festzuhalten, dass die Beziehung Swisscom/Social Media noch viel Optimierungspotential hat. Als treuer Kunde wünsche ich mir, dass sie es schafft. Denn wie es so ist bei den #fail Kommentare auf Twitter. Manchmal sind sie reines bashing. Meistens sind sie ein wertvoller Input um einen Service zu verbessern. Es würde sich lohnen, sie ernst zu nehmen.
Superbowl @ Twitter
Was für die Fashion Victims die Oscar-Verleihung ist für Kommunikationsprofis der Super Bowl. Ein Must. Und dies nicht wegen der Hymne (dieses Jahr eher schlecht performt von Christina) oder des Spiels (dieses Jahr bis zum Schluss richtig spannend). Sondern wegen der Halbzeit-Show, in der immer wieder eine spektakuläre Performance geboten wird (dieses Jahr mit den Black Eyed Peas eher durchschnittlich). Und wegen der Werbespots, in denen Firmen mit einer Portokasse von circa 2,5 Millionen USD für 30 Sekunden um die Gunst der Käufer werben (dieses Jahr abgesehen von VW eher na ja …).
Wie auch immer. Der Super Bowl setzt stets neue Benchmarks. Seit diesem Jahr auch, was Social Media anbelangt: Zum ersten Mal wurde ein Event dieser Grössenordnung simultan live auf Twitter übertragen und kommentiert, denn auf der offiziellen Site hat die National Football League einen eigenen Twitter-Bereich eingebaut (sbtwitter.nfl.com). «Join the conversation» stand da. Also habe ich gejoint.
Die ganze Nacht switchte ich zwischen den Screens: dem kleinen auf dem iPhone, um mitzutwittern, dem mittleren auf dem Laptop, um die Kommentare der Experten zu verfolgen, und dem grossen am TV, um alle Spielzüge live mit verfolgen zu können, um dann wiederum zu twittern, was ich von dem Spielstand, den Spielzügen, den Spielern und sowieso halte. Und wenn ich dann doch einen wichtigen Angriff nicht zu hundert Prozent mitbekommen hatte, konnte ich ihn danach ja gleich nachlesen.
Im Sekundentakt gaben begeisterte Anhänger der beiden Teams (dieses Jahr die «Packers» und die «Steelers») ihre Meinung zu Spielzügen und Spielern bekannt. Viele Ansichten waren witzig und unterhaltsam. Andere waren professionell und fundiert.
In den Tweets, welche die Zuschauer über die offizielle Site posteten, konnten die Spieler gleich getaggt werden, sodass ihre Namen in den Erwähnungen der Fans in bunter Farbe aufleuchteten und die Leser beim Überfliegen sehen konnten, über was der Tweet handelt, und so jeder nach seinem Interesse Tweets lesen oder ignorieren konnte. Selbstverständlich konnte man auch real time verfolgen, welche Topics gerade am meisten diskutiert wurden.
Geordnet nach «Players», die gerade auf dem Feld um den Ring fochten, «Media/Celebs», wo die Leute der Presse ihre Meinungen zum Ausdruck brachten, und «NFL Personnel», wo Werbung für das ganze Ereignis gemacht wurde, hat die NFL jedes Interessengebiet der Fans abgedeckt.
40 Millionen Mal wurde während der knapp fünf Stunden des Endspiels insgesamt zum Thema Super Bowl (#sb45) getwittert. Das zeigte: Die Möglichkeit, dass sich Football-Fans aus aller Welt auf Twitter austauschen konnten war «Social Media at its Best». Denn Sport ist ja bekanntlich eine sehr soziale Angelegenheit und was ist sozialer, als wenn die ganze Welt zusammen ein Football-Spiel nicht nur ansehen, sondern sich auch darüber austauschen kann? Ein globaler Dialog, wie er im Bilderbuch steht.
(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)











