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#occupywallstreet

Sie ist da. Nachdem die Social Media Revolution uns den hochgelobten Arabischen Frühling gebracht hat, beschert sie uns jetzt das antikapitalistische Pendant dazu: die „Occupy Wall Street Bewegung“. Ob wir es wollen, oder nicht.

Aufgerufen vom kanadischen Magazin Adbusters.org mit dem Post „Bist Du bereit für den Tahir-Moment“ besetzen seit dem 17. September Demonstranten den Zuccotti Park in Lower Manhattan in New York City. Als Protest gegen die soziale Ungleichheit in den Vereinigten Staaten, als Stimme der 99 Prozent der Bevölkerung, „die nicht länger die Gier und Korruption von 1 Prozent der Bevölkerung hinnehmen wird“. So weit so gut, ich nehme an, dass in NYC täglich dutzende solche Demos stattfinden. Diese Aktion geht aber mittlerweile in den zweiten Monat und wurde inzwischen zum Vorbild für ähnliche Aktionen in zahlreichen Städten der Vereinigten Staaten und weltweit; Zürich, Rom, London oder Berlin sind nur einige der Ableger des Protests. Insgesamt fanden 1‘500 Events in 82 Länder statt. Warum dieser Erfolg?

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Der Bewegung wird vorgeworfen, keine “richtige“ Message, kein Manifesto, keine konkrete Ziele zu haben. Meine Frage ist: „Macht dies die Bewegung harmloser oder gefährlicher?“ Was wir gerade erleben ist ein historischer Moment. Denn was wir in Nordafrika begrüsst haben, steht auch uns nun bevor. Ein Protest, der zu einem kulturellen Phänomen wird. Ein friedlicher Protest, der politische Änderungen bewirken soll. Und dies, ohne eine konkrete Zielgruppe ansprechen zu wollen, ausser den ganz normalen „Menschen“. Meine Frage ist: „Gibt es so was wie die Zielgruppe überhaupt noch?“ Schauen Sie mal im Tram, wer alles ein iPhone besitzt. #occupywallstreet spricht genauso Leute unterschiedlichen Alters, Rasse, Lebensstils und politischer Ausrichtung an. Genau wie das iPhone. Genau wie Facebook. Einfach nur „Menschen“.

Es geht mir an dieser Stelle nicht um ein Urteil über die Bewegung oder deren Motivationen. In dieser Kolumne geht es schliesslich um Social Media. Und genau davon verstehen diese Leute eine Menge. Denn obwohl sie keine Struktur und Organisation im eigentlichen Sinne haben, nutzen sie die Social Media Möglichkeiten besser als jeder klassische Konzern. Und egal, wie es ausgehen wird: Der Benchmark wurde neu gesetzt.

Ein paar Beispiele. Eine organisch gewachsene Facebook Seite mit über 230'000 Fans und ein Twitter Profil mit über 80'000 Followers sind hier nur der Startpunkt. Denn die Bewegung geht noch weiter und spielt auf der gesamten Klaviatur. Oder besser gesagt, sie nutzt den gesamten Long-Tail der Kommunikation. Sei es mit der kostenlosen App „Vibe“, die den Demonstranten ermöglicht, anonym Mitteilungen zu versenden. Mit dem Content Aggregator Storify (Ton, Text, Bild und Video können einfach gesammelt und wieder geteilt werden), mit dem Eventplanungsttool MeetUp (denn Besetzungen sind ja immer auch ein Event) oder mit dem Tumblr Blog (sehr intuitiv und einfach zum bedienen), der den in ganz Amerika verstreuten 99% eine Stimme gibt.

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Und weil man beim besetzen auch was zu lesen haben sollte, lancierten die Organisatoren gleich noch eine eigene Zeitung. Ja, eine richtige Zeitung. Gedruckt. Old School. Einfach anders. Denn finanziert wurde die Zeitung durch die Crowdfunding Plattform Kickstarter.com. Zur Info: Das angepeilte Ziel waren 12'000 USD. Knapp 1700 Unterstützer haben aber mehr als 75'000 USD gespendet. Kennen Sie ein Unternehmen, dass ohne einen CEO so konsequent in den Social Media agiert? 

Es geht nicht mehr darum, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden (wie es bei den Massenmedien der Fall ist), sondern es geht darum, dass man mit denen spricht, die auch wirklich interessiert sind. Und dass man ihnen einen Inhalt liefert, der relevant ist. Die Demonstranten haben es verstanden. Und Ihr Unternehmen?

 

(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)

 

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