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Geschenksuche 2.0

Dinge die man eigentlich gar nicht haben will oder bereits besitzt, warten hübsch eingepackt unter dem Weihnachtsbaum. Alle Jahre wieder dasselbe Grauen mit Schleife drum. Oft stürmt man im letzten Moment noch in die Stadt und hält Ausschau nach dem perfekten Präsent. Beeinflusst durch die zuvorkommende Beratung, landet dann in den meisten Fällen etwas in der Einkaufstüte. Dieses Etwas ist jedoch meist ein von Klischees behafteter Gegenstand den alle Frauen, Männer, Väter, Mütter, Schwiegertöchter oder –söhne ganz bestimmt mögen. Tatsache ist jedoch, dass die Menschheit „leider“ nicht ganz so einfach gestrickt ist.

Das grundlegende Problem der Geschenksuche liegt wohl kaum am mangelnden Angebot sondern vielmehr darin, dass man sich nicht bewusst ist, was man tatsächlich schenken könnte. Dem hektischen Treiben in der Weihnachtszeit kann man ja dank Online-Shops einfach entkommen. Dass diese Stores auch persönliche Empfehlungen abgeben, ist ebenfalls nichts Neues. Bei der Geschenksuche geht es jedoch in erster Linie um die Empfänger und nicht um den Käufer. Diese simple Tatsache haben sich einige Anbieter zu Herzen genommen und bieten ganz individuelle Empfehlungen für deine Facebook-Freunde an. Praktisch ist diese integrierte Funktion besonders bei Shops, die Produkte aus vielen verschiedenen Sparten anbieten, wie beispielsweise Etsy (http://www.etsy.com/gifts) oder Amazon (https://www.amazon.com/gp/facebook). Es wäre wohl nicht gewagt, Amazon sogar als Erfinder der persönlichen Empfehlungen im Bereich e-commerce zu betiteln. Kein Wunder waren sie auch Vorreiter der in den Shop integrierten Vernetzung mit Facebook Connect.

Natürlich kann man die FB-Profile und Twitter-Timelines seiner Freunde auch selber durchstöbern. Gemäss einer Studie (http://mashable.com/2011/11/01/consumers-holiday-spending/) recherchieren tatsächlich bereits 61 % der Befragten auf den Online-Profilen ihrer Familie um passende Geschenkideen zu finden. Die professionellen Tools stützen sich auf Likes und Nennungen ab. Zwischen den Zeilen lesen, Ironie verstehen und den Zusammenhang zwischen Status-Updates sehen können sie freilich nicht. Der Vorteil der integrierten Tools ist beispielsweise jedoch, dass Amazon anzeigt, wenn Freunde bereits eigene Wunschlisten angelegt haben oder sie dich an die nächsten Geburtstage erinnern. Selbstverständliche inklusive passendem Geschenkvorschlag.  Bei Etsy werden nicht nur die Interessen und Likes der Freunde in die Suche mit einbezogen, sämtliche auf der Webseite durchgeführten Suchbegriffe werden geloggt und analysiert. Dies ermöglicht, dass der Shop semantische Vorschläge machen kann. Ebenfalls können entsprechende Interessengebiete von Freunden, die man als äusserst passend betrachtet, vertieft durchsucht werden. 

Auf all den Informationen, die über eine Person im Internet zu finden sind, basiert auch das „Secret Santa“ (http://redditgifts.com/exchanges/secret-santa-2011) Projekt von reddit. Auf der ganzen Welt haben sich fast 40'000 Personen aus 113 Ländern zum internationalen Wichteln registriert. Nach Zufallsprinzip wird man Wichtel von einer Person, von der man Namen, Adresse und Twitter-Account erfährt. Danach beginnt die Recherche nach dem perfekten Geschenk für die unbekannte Person.

Bei Freunden und Familie entdeckt man wohl kaum Dinge, die man bisher noch nicht wusste, aber vielleicht solche, über die man sich nicht mehr bewusst war, dass derjenige oder diejenige diese so besonders mag. Persönlich schätze ich Facebook & Twitter bei der Geschenksuche als Inspirationsquelle. Ein Allheilmittel für die verzweifelte Suche ist es jedoch trotzdem nicht, solange Oma noch immer lieber Wollsocken strickt statt auf Facebook zu surfen und der Businesspartner ausser Golf spielen keine anderen persönlichen Dinge von sich preisgibt.

(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)

 

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Detailhandel Schweiz

Spricht man in der Schweiz von Werbung kommt man um die Rangliste der grössten Werbeauftraggeber nicht herum. Seit Jahren führen bekanntlich immer wieder die gleichen zwei Players dieses Ranking an: Migros und Coop.  Kein Wunder, denn kaum ein Bedürfnis ist grundlegender als die Nahrungsbeschaffung. Das Protzen um den grössten Etat bringt zwar Mediaagenturen ins Schwärmen, ist aber für die Konsumenten irrelevant. Denn die wollen eben ihre Bedürfnisse so günstig wie möglich befriedigen. Oder nicht?

Mag sein, dass das mal so war. Aber spätestens seit dem Aufkommen der Social Media haben sich die Erwartungen verändert. Der Konsument will nicht nur schnell und günstig einkaufen, nein, er kann sich nun seine eigene Meinung bilden und will sogar mitreden. Das Cluetrain Manifesto erkannte 1999: „Schon jetzt erreichen Unternehmen, die mit der Stimme des Marktschreiers reden, niemanden mehr. Wer annimmt, die Online-Märkte seien dieselben Märkte, die einst die TV-Spots im Fernsehen erduldet haben, macht sich etwas vor.“ Die Frage ist, ob sich dadurch das Verhalten des Schweizer Detailhandels verändert hat.

Ein Player, die Migros, ist in diesem Bereich besonders aktiv. Immer wieder zeigt der orange Riese Ideenreichtum wenn es um Social Media geht. Zentrum der Aktivitäten der Migros ist die berühmt-berüchtigte Plattform www.migipedia.ch, auf der seit Juni 2010 Kunden zu gut 10‘000 Produkten ihre Meinung sagen, Wünsche äussern oder Fragen stellen können. Die Website ist zwar noch in der Beta-Version, wurde aber 2011 bereits als beste Schweizer Webseite (Best of Swiss Web) ausgezeichnet. Migipedia ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn Duttis Erben sind auf praktisch allen Social Media (mit der Dachmarke, sowie mit den Subbrands) fleissig unterwegs. Sei dieswww.facebook.com/Migros, www.twitter.com/migros oderwww.youtube.com/user/MigrosTVSpots. Und die Migros wird für dieses Engagement reichlich belohnt. Mit 52'000 Fans auf Facebook, 2'800 Followers auf Twitter und 870'000 Views auf YouTube.

Dies sind aber nur die oberflächlichen Zahlen. Viel wertvoller ist der Dialog, der dadurch entsteht. Und der fruchtet. Weil man den Kunden die Möglichkeit gibt, mitzureden und mitzugestalten. Zum Beispiel vor sechs Monaten, als nach einer Idee für eine neue, junge Konfi-Sorte gesucht wurde. Insgesamt 1102 Ideen gingen ein. Die 20 besten Rezepte wurden schliesslich gekocht und bei einer professionellen Degustation zusammen mit Vertretern der Migros-Community getestet. Über 4300 Migros-Kunden gaben bei der finalen Umfrage auf Migipedia ihre Stimme ab. Und jetzt stehen die beiden Produkte, kennzeichnet mit dem neuen Sticker «Von Kunden entwickelt», in den Regalen. User Generated Products.

Dass die Migros gut unterwegs ist weiss man ja mittlerweile. So weit, so gut. Aber was machen die anderen Mitbewerber? Die Antwort ist einfach: Nix. Nada. Zero. Traurig aber wahr. Gerade die Branche, die direkten Kontakt mit dem Konsument pflegen sollte, dessen Erfolg und Misserfolg der Gradmesser für unsere Wirtschaft ist, ignoriert den Kunden, wenn es um Social Media geht.

Denner hat zwar vom populären Bündnerfleisch-Lachanfall von Bundesrat Merz profitiert und, dank einer Nacht-und-Nebel-Aktion, kurzfristig Facebook-Fans generiert. Was mit den knapp 29'000 Fans gemacht wird, ist aber bis heute unklar. Alle anderen Detailhändler befinden sich aber noch im dunkelsten Mittelalter. Egal ob sie Lidl, Aldi, Spar oder Coop heissen. Gerade Migros grosser Gegenspieler Coop ist nicht nur einen, sondern mehrere Schritte zurück. Zwar wird der User aufgefordert, die Inhalte der Website zu teilen, aber von einem Dialog ist weit und breit keine Spur. In keinem Netzwerk. Sogar der Kundendienst ist (Montag bis Freitag von 9.00 bis 18.30 Uhr) schlechter erreichbar als der Twitter Account des Mitbewerbers.

In meinem Kurs Social Media Management an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich sage ich immer, dass es ein No-Go sei, wenn man sich über jemanden lustig macht, der seine Erfahrungen im Social Web sammelt. Was wir hier aber erleben ist die Negierung des Dialogs. Dafür habe ich kein Verständnis. Da erscheint einem die Tag-Cloud auf der Startseite ein plumper Marketinggag. Schade eigentlich, denn indem die Schweizer Detailhändler Bedürfnisse und Wünsche der Kunden ignorieren, verpassen sie Chancen, ihre Produkte zu verbessern und sie verlieren wertvolle Zeit, um Erfahrungen zu sammeln. Und obwohl wir einen orangen Leuchtturm haben, gilt für den Schweizer Detailhandel der Prädikat #fail. Denn, „Unternehmen, die nicht zu einer diskursiven Gemeinschaft gehören, werden aussterben“.

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(Diese Kolumne wurde in der www.werbewoche.ch publiziert)

 

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